Jean-Henri Fabre „Die Luft“

Seifenblasen in der Luft

L’air, nécessaire à la vie

Der französische Titel klingt ausgesprochen etwa so: Läär, nessesääre a la wie. Wer schon mal französisch gehört hat, der kann auch noch den nötigen Schmelz hineinlegen. Ich find‘ es jedenfalls schön. Und der Text in diesem kleinen Heft beeindruckt mich wirklich jedes mal auf Neue.  Das Büchlein war im Jahre 1983 bei der Friedenauer Presse herausgekommen. Leider leider ist es heute vergriffen. Dabei ist der Text nicht nur unglaublich heutig, sondern auch zauberhaft schön. Ich schreibe jetzt hier mal den Anfang des Vortrags nieder, d.h. ab:

„Die Luft

  1. Das beherrschendste Bedürfnis
    Zu den beherrschendsten Bedürfnissen, denen wir unterworfen sind, gehören Essen, Trinken und Schlafen. Solange der Hunger nur in seiner Verkleinerungsform, dem Appetit, auftritt, jener köstlichen Würze auch der gröbsten Speisen, solange der Durst nur jene beginnende Trockenheit des Mundes ist, durch die ein Glas kalten Wassers etwas so Anziehendes bekommt, solange der Schlaf nur jene angenehme Mattigkeit ist, die uns die Mittagsruhe herbeiwünschen läßt, solange machen diese Grundbedürfnisse ihre Befriedigung nur durch den Reiz des Vergnügens geltend und nicht durch den heftigen Stachel des Schmerzes. Doch wenn ihre Befriedigung zu sehr auf sich warten läßt, dann schwingen sie sich zu unerbittlichen Herren auf und gebieten durch Folterqual. Wer kann ohne Schaudern an die Beängstigung durch Hunger und Durst denken? Es gibt freilich ein Bedürfnis, dem gegenüber Hunger und Durst, so gewaltig sie sein mögen, als etwas Zweitrangiges erscheinen, ein Bedürfnis, das sich beständig erneuert und nie gestillt ist, das sich ohne Unterbrechung bemerkbar macht, während des Wachens wie des Schlafens, nachts, am Tage, zu jeder Stunde, in jedem Augenblick. Es ist das Bedürfnis nach Luft. Die Luft ist zur Aufrechterhaltung des Lebens so unentbehrlich, dass es uns nicht gestattet wurde, ihren Gebrauch, wie beim Essen und Trinken, zu regulieren; das schützt uns vor den verhängnisvollen Folgen, die die kleinste Unregelmäßigkeit nach sich ziehen würde. Es geschieht gleichsam ohne unser Wissen und gegen unseren Willen, dass die Luft in unseren Körper eindringt, um dort ihre Aufgabe zu erfüllen. Vor allem anderen leben wir von der Luft, die gewöhnliche Nahrung kommt erst in zweiter Reihe……“

Der große Naturforscher und Schriftsteller Jean-Henri Fabre hat uns in der 2.Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Text vorgelegt, der bis heute und alle Tage  geradezu unheimliche Aktualität besitzt. Der Auszug aus seinem Text soll der Auftakt zu meinen Gedanken und Beiträgen zu Umwelthemen sein.

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Am Friedrichsfelder Graben Foto: Privat

 

Und übrigens war Monsieur Fabre 1904 für den Literatur-Nobel-Preis nominiert. Seine Sprache ist wunderschön!

Beitragsbild:  mografik by flickr.com

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