Taiye Selasi „Diese Dinge geschehen nicht einfach so“

Eine dramatische Familiengeschichte

Im Lesekreis, den ich seit vielen Jahren besuche, wurde das Buch der amerikanischen Autorin Selasi vorgeschlagen. Für den Blog des Lesekreises habe ich mich vorher ein wenig informiert. Die Meinungen waren sehr gespalten, deshalb war ich mir nicht sicher, ob das Buch die richtige Wahl sei. Aber selbstverständlich habe ich angefangen es zu lesen und auf Seite 36 ist es passiert. Ich war gefangen und habe das erste Mal geheult.

Der erste Satz

„Kweku stirbt barfuß, an einem Sonntag vor Sonnenaufgang, seine Hausschuhe kauern an der Tür zum Schlafzimmer, wie Hunde.“ wird wohl nicht in die Literaturgeschichte eingehen.

Erst am Ende des Romans wird klar, dass der erste Satz sozusagen der Kontrapunkt eines elegant komponierten Stücks Literatur ist. Denn von diesem Ereignis wird die Familie: Exfrau Fola, der älteste Sohn Olu (Arzt), die Zwillinge Taiwo (Juristin) und Kehinde (Künstler) sowie die jüngste Tochter Sadie (Studentin), obwohl in alle Winde zerstreut, heftig erschüttert.

Viele Jahre war Vater Kweku das Zentrum seiner Familie, hatte Karriere gemacht als hochbegabter Chirurg in den USA. Doch dann hat er sie verlassen. Was ihn dazu bewegte, was daraus folgte und wie sich alle wieder aufeinander zu bewegen, das erzählt uns Taiye Selasi in hochemotionaler Sprache, fast bis zum Schluss bleibt das Buch spannend, nach und nach treten die Figuren aus ihren Geschichten heraus und kommen uns nahe.

Es geht um Familie

Wir wissen alle, was Familie ist. Sie prägt uns, selbst wenn sie uns schon früh verloren geht oder wir sie nie kennenlernen. Der Familie von Kweku Sai und Folasadé Savage, ihren Vorfahren und den vier Kindern geht es auch nicht anders.

Ich will, wie immer, nicht zu viel verraten. Ich kann nur sagen, dass mich die Geschichte sehr bewegt hat. So aussergewöhnlich das Schicksal dieser Familie auch war, so gut ist es der Autorin gelungen, die Wirkungsmechanismen von Familie deutlich zu machen. Wir alle sind ihnen mehr oder weniger ausgeliefert. Die Erkenntnis ist nicht neu, aber in diesem Falle hat sie etwas heilendes.

Selasi beim amerikanischen PEN-Zentrum

Taiye Selazi und Chiara Barzini beim amerikanischen PEN-Zentrum

Der entscheidende Satz

Zum Schluss will ich noch verraten, bei welchem Satz ich heulen musste. Aus unerklärlichen Gründen, es war einfach so:

„…Der Junge strahlte, erfüllt von dieser unbezähmbaren Fröhlichkeit, die Kweku nur von Kindern kannte, die in Äquatornähe lebten, in Armut: ein Instinkt, über die Welt zu lachen, so wie sie diese vorfanden, Dinge zu finden, über die sie lachen konnten, zu wissen, wo sie suchen mussten….“

Bis zu dieser Stelle plätschert das Buch nur so dahin, nun war ich wach. Eine gewagte Behauptung, dachte ich bei mir. Und dann stiegen mir die Tränen auf. Es waren nicht die letzten…

Wenn ihr das Buch lesen möchtet, bitte hier bestellen: pankebuch.de, oder in die Buchhandlung um die Ecke gehen.

Cover: Fischer Taschenbuch

Foto: Ed Lederman by flickr.com

 

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